28. Feb -11. Juni 2021

abBAU: ausgekohlte_landschaften

ausgekohlte_landschaften ist ein künstlerischer Versuch verschwindende Landschaften in ihrer Vielfalt, Geschichte und morbiden Schönheit zu würdigen. Das Landschaftsbild und das kulturelle Miteinander der Lausitz waren lange Zeit vom Tagebau geprägt. Nach drastischen gesellschaftlichen Umwälzungen zugunsten des Braunkohleabbaus, dem Verlust von Heimat und Traditionen, bildete sich eine neue regionale Identität heraus – die einer erfolgreichen Industrieregion, welche Arbeitsplätze bot, für technischen Fortschritt und Wettbewerbsfähigkeit stand. Doch die intensive Ausbeutung der Braunkohlevorräte führte zu enormen Umweltbelastungen und -zerstörungen. Die Folge waren soziale, politische und ethische Eruptionen und ein gesamtgesellschaftliches Umdenken. Schrittweise wird der Abbau eingestellt und die ausgekohlten Flächen, Abraumkippen und Tagebaurestlöcher rekultiviert.

Die Hinterlassenschaften des Braunkohleabbaus sind karge, gigantische Kraterlandschaften, ausgekohlte Leerstellen – mystische Tagebaulandschaften, die von Zerstörung, Ausbeutung, gesellschaftlichen Umbrüchen und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts erzählen. Fast unbemerkt verwandeln sie sich fortan in riesige künstliche Seenlandschaften, in ein großes Naherholungsgebiet. Die künstlerischen Positionen zeugen von der unmittelbaren Konfrontation von Mensch und Natur und der wechselseitigen Formgebung von Kultur und Landschaft.

Virtueller Rundgang

Die Eröffnungsausstellung war dem Thema Abbau gewidmet und bringt unter dem Titel “ausgekohlte_landschaften” unterschiedliche künstlerische Positionen zusammen. Die Lausitz gilt als bekanntes Braunkohlerevier. Tagebaue graben sich in die Erde, verändern das Landschaftsbild und verdrängen ganze Siedlungen. In der Lausitz wird mit, um und vom Abbau gelebt. Schrittweise werden Abbau, Industrie und damit verbundene Arbeitsplätze verschwinden. Die ausgekohlten Leerstellen werden von der Natur zurückerobert. Seen und neue Raumkonzepte entstehen, die der Region ein neues Gesicht geben. 

Sie haben die Ausstellung verpasst? Ich lade Sie zu einem 360° Rundgang ein!

Ausstellende Künstler:innen

Michael Kruscha

Malerei

Mit malerischen Arbeiten, Collagen und der Kamera dokumentiert Michael Kruscha seit 2011 die klaffenden Wunden und rauen Oberflächen von unzugänglichen und gestörten Landschaften seiner alten Heimat.

Christin Wilcken

Papierarbeit & Zeichnung

Auf gespanntem Papier entfalten sich bei Christin Wilcken puristische Landschaften in zurückgenommener Farbigkeit. In ihrer methodischen Vorgehensweise der erkundenden Variation gelingt es ihr, eine Sprache der entschiedenen Reduktion zu entwickeln.

Thomas Kläber

Fotografie

Mit Thomas Kläbers Umzug aus dem heutigen Elbe-Elster-Kreis nach Cottbus eröffnete sich für ihn in den 80er Jahren ein neues Blickfeld auf die vom Braunkohleabbau in Anspruch genommenen Landstriche. 

Karin Gier

Malerei & Assemblage

Seit etwa 20 Jahren arbeitet Karin Gier mit Erden aus dem heimischen Tagebau, der Umgebung oder von unterwegs. Auch Fundstücke mit ihren Abnutzungs- und Verwitterungsspuren wandern ins Atelier und sind oft Bestandteile ihrer Bilder und Assemblagen.

Line Jastram

Wandarbeit & Schmuck

Line Jastram ist Goldschmiedin, Bildhauerin und freischaffende Künstlerin. Ihre Arbeiten sind so vielfältig wie die Themen, die sie im Alltag bewegen. Das Spiel mit Materialien, die Kombination aus Metallischem und Organischem, ist ein wiederkehrendes Merkmal ihrer Werke, das sie in unterschiedlichste Formen gießt, hämmert, zeichnet oder malt.

Ida Kretzschmar

"Die erste Schau „Ausgekohlte _Landschaften“, die den Abbau spiegelt, konnte am
28. Februar nur virtuell eröffnet werden. Umso stärker der Eindruck, als reflektiere
sie auch die Seelenzustände dieser Pandemiezeit."

Ida Kretzschmar

Journalistin